Freitag, 22. Februar 2008

Klopfen ist out

Manche Leute behaupten, die Schweden seien den Deutschen ähnlicher als alle anderen Bewohner Europas. So pauschal würde ich das nicht sehen, aber zumindest hab' ich hier noch keinen allzugroßen Kulturschock erlebt. Ein Beispiel ist die Uni:
Im großen und ganzen nämlich ist das Uni-System dem deutschen gar nicht so unähnlich. Unterschiede gibt es natürlich dennoch.
Ein großer Unterschied ist allerdings, dass Chalmers einiges an Geld zu Verfügung zu haben scheint. Alle Gebäude sind wahre Prachtbauten im Vergleich zu so Beinahe-Ruinen wie das Seminargebäude in Aachen. Und es scheint keine Überbelegung zu geben. Wenn hier ein Prof. merkt, dass der Hörsaal zu klein ist, ist es anscheinend kein Problem, einen größeren zu finden. Ok, vielleicht ist der Vergleich auch nicht so ganz fair, die größeren Masterkurse hier haben nur zwischen 80 und 100 Teilnehmer. Eine Sache, die ich in Deutschland wirklich vermisse, sind Gruppenarbeitsräume. Diese gibt es hier nämlich wie Sand am Meer. Jeder Raum bietet Platz für ca. 10 Personen und hat ein Whiteboard (inklusive Stifte). Die Uni rollt also den Studenten geradezu den roten Teppich aus...
Ein weiterer Pluspunkt ist die Art und Weise, wie hier Vorlesungen und überhaupt alle Veranstaltungen ablaufen: Es gibt nach 45 Minuten immer 'ne viertel Stunde Pause. Eine der genialsten Erfindungen schlechthin! :) Ich hab' bisher in Deutschland keine einzige Vorlesung gehabt, an deren letzten halbe Stunde ich mich erinnern kann. Nach einer Stunde Zuhören hat man einfach keinen Bock mehr, dem nicht immer den höchsten pädagogischen Ansprüchen genügendem Vortrag zu lauschen bzw. gegen den Schlaf zu kämpfen. Es gibt bestimmt mittlerweile einen Langweiligkeitsindex, vielleicht könnte man ihn ja nach einer der schillerndsten Persönlichkeiten unserer Hochschullandschaft (wenn nicht gar der ganzen zivilen Mobilfunkwelt) benennen: "Und, wie war die Vorlesung?" - "Hm, ich würde sagen, sie hat mindestens Stärke 6 auf der nach oben offenen Walke-Skala erreicht..." - "Oh, du ärmster!"
Es sind wie gesagt aber die kleinen Dinge, die einem Aachen "erfahrenen" Studenten auffallen: Die Leute klopfen nicht. Nach keiner einzigen Vorlesung wird geklatscht oder auf die Klapptische geklopft. Sie sind einfach zu Ende und alle stehen auf, ohne irgendwie "formell" die Sache zu Ende zu bringen. Sehr strange... Was meint ihr wie schwierig es für mich am Anfang war, nach der Vorlesung einfach aufzustehen, ohne in dieses jahrelang antrainierte Ritual zu verfallen?
Auf meine Nachfrage hin guckte mich mein pakistanischer Sitznachbar so an, als ob ich ihn fragen würde, warum es besser ist, nicht einen Fön mit in die Badewanne zu nehmen. "You are clapping in Germany after the lectures? Why would you do that? Are the lectures always so good?" Gute Frage... Vielleicht beglückwünschen wir uns einfach auch nur unbewußt, dass wir wieder 90 Minuten in zum Teil überfüllten und/oder überheizten Hörsälen ausgehalten haben. Bei Vorlesungen der Stärke 4 aufwärts auf der Walke-Skala wirklich kein leichtes Unterfangen...

Besch...eidenes Wetter

Gerade stürmt und regnet es draußen. Es ist dieses fiese Dein-Schirm-wird-dir-nieeee-wieder-was-nützen Wetter (ok, der kleine Schirm wirkte schon ein bißchen albern... aber immerhin hatte ich die Lacher auf meiner Seite! ;) ). Und noch fieser war, dass selbst die Wartehäuschen der Straßenbahn keinen Schutz mehr boten, weil egal wo ich stand immer der Wind inklusive Regen in meine (und die meiner Mitwartenden) blies. Brrrrrr....
Nun ja, auf jeden Fall hab' ich jetzt wieder einen Anlass weiter am Blog zu schreiben...
Also viel "Vergnügen"! ;)

Samstag, 9. Februar 2008

Aller Anfang ist...kompliziert.

Ich lebe jetzt ja schon seit einer Woche in Göteborg, aber die Zeit kommt einem unglaublich lang vor, weil doch einiges passiert ist.

Nach recht angenehmen Flug hat mich der Shuttlebus am Göteborger Hauptbahnhof 'rausgeschmissen. Zum Glück hab' ich recht schnell den Bus zum SGS (das ist so ne Art Studentenwerk hier, aber nur für Wohnheime zuständig) gefunden und konnte da die Schlüssel zu meinem neuen Traumdomizil in Empfang nehmen. "Klappt ja alles wie am Schnürchen!" dachte ich. Aber zu früh gefreut...

Da das SGS in diversen Briefen und Unterlagen immer wieder betont hatte, dass eine Matraze nicht vorhanden sei, aber ich ein Erasmus-Package inlusive Matraze mieten könne, machte ich mich direkt auf den Weg zu dem Büro des SGS welches sich darum kümmert. Irgendwie sind sätmliche Büros des SGS wild in der Stadt verteilt, keine Ahnung, ob das irgendeinen Sinn hat. Vielleicht sollen wir einfach im Training bleiben... (per Bus konnte ich zwischen den Büros nur mit großen Umwegen pendeln). Auf jeden Fall wollte die Dame bei der sogenannten "vecko bostäder" erstmal 950 Kronen bar auf die Kralle. In ganz Schweden, wirklich fast überall, kann man mit Karte zahlen. Nur dort, wo es wirklich mal sinnvoll wäre, haben sie sowas nicht im Angebot... Nun gut, natürlich hatte ich soviel Geld nicht mal eben bar dabei und bin dann zu den nächsten Geldautomaten getigert. Der erste hat dem Menschen vor mir gnädigerweise noch Geld ausgezahlt, mich begrüßte er nur noch bedingt freundlich mit einem "Out of order". Der zweite Geldautomat war nicht so gesprächig, präsentierte dafür aber einen netten Windows Bluescreen.
Zum Glück viel mir ein, dass die Schweden sich auch Geld in Supermärkten an der Kasse auszahlen lassen können, wenn sie mit Karte bezahlen. Der nächste Supermarkt war auch direkt um die Ecke. Nach 10 Minuten Schlange stehen und einem Alibi-Cookies-Päckchen in den Händen, machte ich die... interessante Begegnung mit der Kassiererin. Es ist erstaunlich, wieviel man in einem 30-Sekunden -Gespräch mißverstehen kann... Letztendlich konnte ich nur 400 Kronen abheben, was gerade so reichte, um das Erasmuspaket zu finanzieren.
Zurück im Büro des Vecko Bostäders ereilte mich die nächste Hiobsbotschaft. Auf meine vielleicht zu naive Frage, wo denn die Matraze in meinem Wohnheim gelagert würde, bekam ich die Auskunft, dass alles in einem Lagerraum in der Nähe sei. In der Nähe des Büros wohlgemerkt, nicht in der Nähe meines Wohnheimes. Für den Transport seien sie allerdings nicht zuständig, den müsse ich selber organisieren. Zum Glück war ich nicht der erste mit dem Problem. So erfuhr ich mit Erstaunen, dass sich meine Vorgänger wohl ein Taxi genommen haben, um zu ihren Wohnheimen mit der Matraze und dem restlichen Erasmus-Packages (ein ziemlich unspektakulärer Umzugskarton mit Bettdecke, Kissen und etlichen Kücheutensilien) zu gelangen. Ich hatte mit vielem gerechnet, nicht aber mit einem Mini-Umzug in Göteborg, nur um eine Matraze zu bekommen... Nun denn, da die Matraze wohl das dünnste Modell war, was man bei IKEA erstehen kann, konnte ich sie ganz gut falten, so dass sie knapp in den Kofferraum des Taxis passte. Billig war der Spaß allerdings nicht, knapp 25 Euro hat es gekostet (wahrscheinlich kaum weniger, als die Matraze neu gekostet hat... ).
Nun ja, letztendlich hat doch alles geklappt. Ich konnte jedenfalls ein recht hübsches und geräumiges Zimmer beziehen. Die Bilder von dem "Rohzustand" seht ihr in der Galerie. Das wird hoffentlich in den nächsten Wochen etwas voller, insbesondere die Wände sind doch ziemlich kahl.
Allerdings hatte damit die Lauferei kein Ende, um meinen Internetanschluss zu bekommen, mußte ich wieder durch die halbe City laufen. Schweden ist ein Land, in dem man Geduld haben muss. Viel Geduld, um genau zu sein. Die Öffnungszeiten der Büros von allen Angelegenheiten, die wir Studenten erledigen müssen, sind recht knapp bemessen. Und Pausen, ja die Pausen werden mit militärischer Präzision eingehalten. Pausen sind den Schweden auf den Ämtern heilig.
Wie dem auch sei, mittlerweile habe ich den meisten Papierkram erledigt. Deutschland, das Land der Bürokratie, hat mit Schweden einen würdigen Gegner gefunden... ;)
Schweden ist aber auch das Land der Technik und der allgegenwärtigen Überwachung, aber dazu später mehr! :)
Göteborg - die ersten Tage

... und es werde Licht.

So, jetzt hab' ich also auch mein eigenes Blog. Eigentlich wollte ich ja nie sowas machen. Aber gut, vielleicht interessieren Euch tatsächlich meine Erlebnisse hier in Schweden... Nun gut, lasset die Spiele beginnen! ;)