Manche Leute behaupten, die Schweden seien den Deutschen ähnlicher als alle anderen Bewohner Europas. So pauschal würde ich das nicht sehen, aber zumindest hab' ich hier noch keinen allzugroßen Kulturschock erlebt. Ein Beispiel ist die Uni:
Im großen und ganzen nämlich ist das Uni-System dem deutschen gar nicht so unähnlich. Unterschiede gibt es natürlich dennoch.
Ein großer Unterschied ist allerdings, dass Chalmers einiges an Geld zu Verfügung zu haben scheint. Alle Gebäude sind wahre Prachtbauten im Vergleich zu so Beinahe-Ruinen wie das Seminargebäude in Aachen. Und es scheint keine Überbelegung zu geben. Wenn hier ein Prof. merkt, dass der Hörsaal zu klein ist, ist es anscheinend kein Problem, einen größeren zu finden. Ok, vielleicht ist der Vergleich auch nicht so ganz fair, die größeren Masterkurse hier haben nur zwischen 80 und 100 Teilnehmer. Eine Sache, die ich in Deutschland wirklich vermisse, sind Gruppenarbeitsräume. Diese gibt es hier nämlich wie Sand am Meer. Jeder Raum bietet Platz für ca. 10 Personen und hat ein Whiteboard (inklusive Stifte). Die Uni rollt also den Studenten geradezu den roten Teppich aus...
Ein weiterer Pluspunkt ist die Art und Weise, wie hier Vorlesungen und überhaupt alle Veranstaltungen ablaufen: Es gibt nach 45 Minuten immer 'ne viertel Stunde Pause. Eine der genialsten Erfindungen schlechthin! :) Ich hab' bisher in Deutschland keine einzige Vorlesung gehabt, an deren letzten halbe Stunde ich mich erinnern kann. Nach einer Stunde Zuhören hat man einfach keinen Bock mehr, dem nicht immer den höchsten pädagogischen Ansprüchen genügendem Vortrag zu lauschen bzw. gegen den Schlaf zu kämpfen. Es gibt bestimmt mittlerweile einen Langweiligkeitsindex, vielleicht könnte man ihn ja nach einer der schillerndsten Persönlichkeiten unserer Hochschullandschaft (wenn nicht gar der ganzen zivilen Mobilfunkwelt) benennen: "Und, wie war die Vorlesung?" - "Hm, ich würde sagen, sie hat mindestens Stärke 6 auf der nach oben offenen Walke-Skala erreicht..." - "Oh, du ärmster!"
Es sind wie gesagt aber die kleinen Dinge, die einem Aachen "erfahrenen" Studenten auffallen: Die Leute klopfen nicht. Nach keiner einzigen Vorlesung wird geklatscht oder auf die Klapptische geklopft. Sie sind einfach zu Ende und alle stehen auf, ohne irgendwie "formell" die Sache zu Ende zu bringen. Sehr strange... Was meint ihr wie schwierig es für mich am Anfang war, nach der Vorlesung einfach aufzustehen, ohne in dieses jahrelang antrainierte Ritual zu verfallen?
Auf meine Nachfrage hin guckte mich mein pakistanischer Sitznachbar so an, als ob ich ihn fragen würde, warum es besser ist, nicht einen Fön mit in die Badewanne zu nehmen. "You are clapping in Germany after the lectures? Why would you do that? Are the lectures always so good?" Gute Frage... Vielleicht beglückwünschen wir uns einfach auch nur unbewußt, dass wir wieder 90 Minuten in zum Teil überfüllten und/oder überheizten Hörsälen ausgehalten haben. Bei Vorlesungen der Stärke 4 aufwärts auf der Walke-Skala wirklich kein leichtes Unterfangen...
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2 Kommentare:
Da merkt man den TIler - ansonsten würdest Du die Werte auf der nach oben offenen Waser-Skala angeben :-)
walke-skala????!!!
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