Ich lebe jetzt ja schon seit einer Woche in Göteborg, aber die Zeit kommt einem unglaublich lang vor, weil doch einiges passiert ist.
Nach recht angenehmen Flug hat mich der Shuttlebus am Göteborger Hauptbahnhof 'rausgeschmissen. Zum Glück hab' ich recht schnell den Bus zum SGS (das ist so ne Art Studentenwerk hier, aber nur für Wohnheime zuständig) gefunden und konnte da die Schlüssel zu meinem neuen Traumdomizil in Empfang nehmen. "Klappt ja alles wie am Schnürchen!" dachte ich. Aber zu früh gefreut...
Da das SGS in diversen Briefen und Unterlagen immer wieder betont hatte, dass eine Matraze
nicht vorhanden sei, aber ich ein Erasmus-Package inlusive Matraze mieten könne, machte ich mich direkt auf den Weg zu dem Büro des SGS welches sich darum kümmert. Irgendwie sind sätmliche Büros des SGS wild in der Stadt verteilt, keine Ahnung, ob das irgendeinen Sinn hat. Vielleicht sollen wir einfach im Training bleiben... (per Bus konnte ich zwischen den Büros nur mit großen Umwegen pendeln). Auf jeden Fall wollte die Dame bei der sogenannten "vecko bostäder" erstmal 950 Kronen bar auf die Kralle. In ganz Schweden, wirklich fast überall, kann man mit Karte zahlen. Nur dort, wo es wirklich mal sinnvoll wäre, haben sie sowas nicht im Angebot... Nun gut, natürlich hatte ich soviel Geld nicht mal eben bar dabei und bin dann zu den nächsten Geldautomaten getigert. Der erste hat dem Menschen vor mir gnädigerweise noch Geld ausgezahlt, mich begrüßte er nur noch bedingt freundlich mit einem "Out of order". Der zweite Geldautomat war nicht so gesprächig, präsentierte dafür aber einen netten Windows Bluescreen.
Zum Glück viel mir ein, dass die Schweden sich auch Geld in Supermärkten an der Kasse auszahlen lassen können, wenn sie mit Karte bezahlen. Der nächste Supermarkt war auch direkt um die Ecke. Nach 10 Minuten Schlange stehen und einem Alibi-Cookies-Päckchen in den Händen, machte ich die... interessante Begegnung mit der Kassiererin. Es ist erstaunlich, wieviel man in einem 30-Sekunden -Gespräch mißverstehen kann... Letztendlich konnte ich nur 400 Kronen abheben, was gerade so reichte, um das Erasmuspaket zu finanzieren.
Zurück im Büro des Vecko Bostäders ereilte mich die nächste Hiobsbotschaft. Auf meine vielleicht zu naive Frage, wo denn die Matraze in meinem Wohnheim gelagert würde, bekam ich die Auskunft, dass alles in einem Lagerraum in der Nähe sei. In der Nähe des Büros wohlgemerkt, nicht in der Nähe meines Wohnheimes. Für den Transport seien sie allerdings nicht zuständig, den müsse ich selber organisieren. Zum Glück war ich nicht der erste mit dem Problem. So erfuhr ich mit Erstaunen, dass sich meine Vorgänger wohl ein Taxi genommen haben, um zu ihren Wohnheimen mit der Matraze und dem restlichen Erasmus-Packages (ein ziemlich unspektakulärer Umzugskarton mit Bettdecke, Kissen und etlichen Kücheutensilien) zu gelangen. Ich hatte mit vielem gerechnet, nicht aber mit einem Mini-Umzug in Göteborg, nur um eine Matraze zu bekommen... Nun denn, da die Matraze wohl das dünnste Modell war, was man bei IKEA erstehen kann, konnte ich sie ganz gut falten, so dass sie knapp in den Kofferraum des Taxis passte. Billig war der Spaß allerdings nicht, knapp 25 Euro hat es gekostet (wahrscheinlich kaum weniger, als die Matraze neu gekostet hat... ).
Nun ja, letztendlich hat doch alles geklappt. Ich konnte jedenfalls ein recht hübsches und geräumiges Zimmer beziehen. Die Bilder von dem "Rohzustand" seht ihr in der Galerie. Das wird hoffentlich in den nächsten Wochen etwas voller, insbesondere die Wände sind doch ziemlich kahl.
Allerdings hatte damit die Lauferei kein Ende, um meinen Internetanschluss zu bekommen, mußte ich wieder durch die halbe City laufen. Schweden ist ein Land, in dem man Geduld haben muss. Viel Geduld, um genau zu sein. Die Öffnungszeiten der Büros von allen Angelegenheiten, die wir Studenten erledigen müssen, sind recht knapp bemessen. Und Pausen, ja die Pausen werden mit militärischer Präzision eingehalten. Pausen sind den Schweden auf den Ämtern heilig.
Wie dem auch sei, mittlerweile habe ich den meisten Papierkram erledigt. Deutschland, das Land der Bürokratie, hat mit Schweden einen würdigen Gegner gefunden... ;)
Schweden ist aber auch das Land der Technik und der allgegenwärtigen Überwachung, aber dazu später mehr! :)